Wörter auf Wanderschaft

Wer hätte gedacht, dass die Amerikaner sich beim kaffeeklatsching in aller Gemütlichkeit über ihre Ahnenreihe unterhalten oder Schadenfreude darüber empfinden, dass sich der Sohn des Nachbarn nicht als Wunderkind, sondern als Dummkopf entpuppt.

Wörter aus dem deutschen Sprachraum sind weiter verbreitet als man denkt. Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat in einer Aktion Deutsche weltweit dazu aufgerufen “Ausgewanderte Wörter” zu sammeln und einzusenden. Bisher sind dabei ca. 10.000 Beiträge zusammen gekommen. Eine kleine Auswahl dieses Projekts findet sich im Buch “Auswanderte Wörter” wieder.1

Unter anderem kam zu Tage, dass die Brasilianer gerne Quark essen und Malzbier trinken. In Chile kann man in die Bierstube gehen und zu Hause Kuchen essen. Wenn ein Bauer in Irland im Hinterland eine Rinderpest verschuldet, so riskiert er ein Berufsverbot. In Großbritannien ruft man seinem Hund Kommandos wie Platz!, Sitz! und Pfui! zu. Außerdem stehen Sachen die verboten sind meist unter Strafe. Die Spanier können über eine kaputte Weltanschauung verfügen und dabei trotzdem ein Fest feiern. Auch in Frankreich gibt es Mannschaften, die Handball spielen und nach dem Match in der Kneipe vielleicht noch einen Schnaps trinken.

Aber auch in veränderter Schreibweise schleichen sich deutsche Wörter in andere Sprachen ein. So setzt sich zum Beispiel der Japaner seinen Ryukkusakku (Rucksack) auf und zieht sich seine Yakke (Windjacke) an bevor er ins Gerende (Gelände) geht. Mit dem Volkswagen (Wagen) kann man auch dort auf der Autoban fahren. In Papua-Neuguinea ist es genauso Saise (Scheiße) wie hier, wenn man sich wie ein Rinfi (Rindvieh) aufführt. In Russland schmiert man sich ein Buterbrod (belegtes Brot), geht zum Parikmacher (Friseur), glaubt an den Poltergeist und steht schon mal unter Zejtnot (Zeitnot). Der Tscheche liest auf dem Hajzl (Häusl für Toilette) einen Libesbrif und beweist dabei schon mal Sitzfleisch. Der Nichtbure ist in Namibia ein Uitlander und in der Regenzeit schützt ein Wellblech-Dach. Wenn man lekker Essen serviert bekommt wird brav Dankie gesagt. In Finnland wird erstmal Kahvipaussi gemacht, wenn etwas außer Betrieb ist und Besserwisseri gibt es dort wie hier.2


1 Außerdem gibt es der aktuellen Vanity Fair (Nr. 11 - 8. März 2007) auf Seite 98 eine wirklich schön aufbereitete Landkarte mit einer Vielzahl von ausgewanderten Wörtern.

2 Als kleine Fusnote sei noch angemerkt, dass es in Albanien die Banknoten auch am Shalter gibt.

Gelesen: 889 • heute: 2 • zuletzt: 7. January 2009
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